Parkplatzmangel gefährdet die Verkehrssicherheit

Parkplatzmangel für Lkw – Baumaßnahmen greifen nicht zeitgerecht.

Fernfahrer sind frustriert. 

Mit dem Thema Parkraumnot rund um die Autobahndrehscheibe Kirchheimer Dreieck und den damit verbundenen unangenehmen Begleiterscheinungen hatte die Polizei beim Mai-Fernfahrerstammtisch ein sehr heikles Thema aufgelegt.

Der Wintergarten im Rasthaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Der zeitliche Rahmen von 2 Stunden reichte nicht aus, um die Diskussionen über die aufgezeigten Missstände der fehlenden Stellplätze für Lkw auf den Punkt zu bringen.

Neben zahlreichen Fernfahrern, dem Hessischen Fachverband für Güterkraftverkehr und Logistik e.V. und den Stammtischpartnern waren auch die Bürgermeister der Anrainergemeinden Kirchheim, Niederaula und Neuenstein zu Gast.

Das Stammtischteam des PP Osthessen hatte zudem die Medien eingeladen; um der Thematik weitere Außenwirkung zu verleihen. Der HR zeigte großes Interesse und war mit einem Kamera- und Interviewteam anwesend. Über den Stammtischabend wurde zwischenzeitlich in der Hessenschau berichtet.

Eingangs zeigte Mario DÖRING vom PP Osthessen eine Bildreihe aus dem täglichen Dienst über die tatsächliche Parksituation für schwere Nutzfahrzeuge auf/an der BAB und in den angrenzenden Industriegebieten – insbesondere zur Abend- und Nachtzeit, wenn die Fahrer ihre Ruhezeiten einlegen. Schon hier wurden der untragbare Zustand und der hohe Grad der Verkehrsgefährdung deutlich. Bei Verkehrszählungen zur Nachtzeit Anfang des Jahres wurden hessenweit ca. 2.700 falschparkende Lkw festgestellt. Das ist ein deutliches Zeichen, dass hier umgehend Handlungsbedarf besteht.

Bürgermeister Manfred KOCH, Kirchheim – gern gesehener Gast, Unterstützer des Fernfahrerstammtisches und Mitstreiter für mehr Verkehrssicherheit.

Statistik

Unfälle mit Todesfolge aufgrund von Autobahnbenutzern, die auf wildgeparkte Lkws auffahren, die auf überfüllten Raststätten abgestellt waren:

Vor 2016 gab es in drei Jahren durchschnittlich einen toten Fahrer.

In 2016 waren es bereits vier Tote.

Im ersten Halbjahr 2017 waren es schon sechs Tote.

Im Anschluss stellte Peter WÖBBEKING von Hessen mobil als federführende Behörde für Planung, Bau und Unterhaltung von Parkraum die Gesamtsituation in Hessen dar. Trotz aller Bemühungen des Landes und der Behörden ist es nicht zu leisten, mit der rasanten Zunahme des Schwerverkehrs Schritt zu halten und adäquat Parkraum zu schaffen. Die baurechtlichen Verfahren gestalten sich oft sehr schwierig, Genehmigungen ziehen sich manchmal über Jahre hin; so der Referent.

Wildes Parken der in nahezu ausweglose Zwangslage auf dem Weg einer Parkplatzsuche geratenen Lkw-Fahrer führen zu chaotischen Verhältnissen in den Gemeindegebieten und Ortslagen. Neben den Verkehrsbehinderungen mit hoher Gefährdung geht das in der Regel einher mit Lärm und erheblichen Umweltverschmutzungen durch abgelagerten Bordmüll der Fahrer. Die Bürgermeister als Verwaltungsleiter und Verantwortliche für ihre Gemeinden klagten einvernehmlich, dass sie nicht mehr bereit seien, diesen Zustand auf Dauer hinzunehmen.

An diesem Punkt ereiferte sich die Diskussion heftig bis hin zum Vorwurf, dass die Politik hier versagt habe. Die zahlreichen Fahrer pflichteten den Argumenten bei. Mit dieser Erkenntnis sollte Hessen-mobil mit allem Nachdruck aktiv werden, so das Votum der Stammtischbesucher.

Ein hoffnungsvoller Beitrag zur Linderung der Parkplatznot bietet die KRAVAG-Versicherung mit einem eleganten Pilotprojekt „TRUCK PARKING“ an. Tim Baumeister und Lukas Kremer machten in ihrem anschließenden Kurzvortrag Hoffnung mit einem eigens entwickelten Netzwerk zur Parkplatzfindung. Die Grundidee ist, dass sich möglichst viele Speditionen, die über einen eigenen Betriebshof verfügen, flächendeckend an diesem Netzwerk beteiligen. Diese Speditionen stellen auf ihrem eigenen Gelände eine Anzahl freier Stellplätze bereit, die bundesweit von anderen Speditionen oder Fahrern selbst über eine APP gebucht werden können. Hier ist natürlich die Solidarität der Logistikgemeinschaft gefordert, und vorgegebene ´Spielegeln´ sind restriktiv einzuhalten.

Die Vision zu einem gut funktionierenden System weckte bei den Stammtischbesuchern großes Interesse, jedoch bedarf es zum weiteren Aufbau des Projektes noch einiger Zeit.

Tim Baumeister verwies abschließend auf die Homepage www.kravag-truck-parking.de

Hier gibt es weitere Informationen zum Einstieg und Umgang mit KRAVAG Parkplatz-Sharing.

>> Mehr als 31 000 Parkplätze fehlen
Quelle: Vereinigung Deutscher Autohöfe e.V., 22958 Kuddewörde

>> Fehlende Parkplätze kosten Menschenleben
Quelle: MDR, Leipzig

 

 

 

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