Schlechter Schlaf macht groggy, Müdigkeit wirkt wie Alkohol

Wieder zahlreiche Fahrer beim Aprilstammtisch in Kirchheim

Hess. Polizei´, DVR und Fachverband kämpfen gemeinsam !

Polizei, Fachverband und das gesamte Netzwerk der Verkehrsprävention hatten das klassische Aprilthema „Übermüdung, Sekundenschlaf, Schlafapnoe“ erneut aufgelegt. Das Kirchheimer Rasthaus war gut besetzt und es wurde spürbar, dass auch die Fahrer selbst sich sehr mit der Problematik Fitness am Steuer – sprich Übermüdung – auseinandersetzen.

Moderator Mario Döring vom Stammtischteam der Hess. Polizei begrüßte mit Anna-Sophie Börries die Fachreferentin des Abends. Ihre weite Anreise vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Bonn (DVR) machte den hohen Einsatz und den Stellenwert der Arbeit in der Verkehrsprävention für die Polizei deutlich.

Frau Börries, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, leitet federführend seit 2016 die Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf“ beim DVR. Ihre umfangreichen und hochinteressanten Erkenntnisse, unterlegt durch belastbare Zahlen aus Befragungen von Betroffenen und Auswertungen von Unfallstatistiken, machten die hohe Brisanz der Übermüdung im Straßenverkehr deutlich.

Allein der natürliche biologische Tagesablauf, dass bei Dunkelheit Müdigkeit eintritt, fordert jedem Menschen eine individuelle, persönliche Zeitplanung ab, sobald sein Arbeits-/Ruherhythmus von dem Prinzip „am Tag arbeiten, in der Nacht schlafen“ abweicht. Und gerade das trifft ja auf die Berufskraftfahrer regelmäßig zu.

„Schlechter (oder auch zu wenig) Schlaf macht groggy und führt zu schlechter Laune, so Frau Börries. Laut der offiziellen Unfallstatistik passieren ca. 2000 Verkehrsunfälle jährlich aufgrund von Müdigkeit der Fahrer. Eine Untersuchung der BASt (Bundesanstalt für Straßenwesen) zeigt zudem, dass jeder 5. schwere Unfall mit Beteiligung eines Gütertransporters Übermüdung als Ursache hat.

Eine alte Erhebung der HUK von 1991 besagt, dass 24 Prozent der BAB-Unfälle in Bayern Müdigkeit als Unfallursache haben.

In einer eigenen Befragung des DVR, die Frau Börries auszugsweise in einem Videospot den Stammtischbesuchern näherbrachte, gaben 26 Prozent der Pkw-Lenker und sogar 46 Prozent der Lkw-Fahrer zu, mindestens schon einmal am Steuer eingenickt zu sein.

Und wieviel Strecke ein um wenige Sekunden weggetretener Fahrer zurücklegt:

Bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von 80 km/h sind das in 3 Sekunden sage und schreibe 70 Meter im Blindflug – eine unkontrollierte Fahrt mit hohem Gefährdungsgrad.

Anna Sophie Börries vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat in enger Zusammenarbeit mit der Hessischen Polizei in Kirchheim.

Abschließendes Resümee der Referentin:

  • Schlafmangel erhöht das Unfallrisiko um ein vielfaches; gegen Müdigkeit hilft nur Schlaf.
  • Ursachen von Übermüdung:

Schlafmangel, Medikamente machen müde, zurückgelegte Kilometer, langweilige Streckenfahrt, zunehmendes Alter, Schlafapnoe, alleine im Fahrzeug.

  • Empfehlungen:
    Powernapping (kurzes `Nickerchen´, um wieder Kraft zu schöpfen),
    Bewegung,
    schließlich muss der Fahrer erkennen und selbst entscheiden, die Fahrt unverzüglich zu unterbrechen.

Letztendlich verwies Frau Börries noch auf den Straftatbestand des § 315c StGB.
Wer im Straßenverkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstraße oder mit Geldstrafe bestraft.

Die Tatsache, dass ein durch Übermüdung verursachter Verkehrsunfall zum Straftatbestand wird   u n d   in der Regel einen Entzug der Fahrerlaubnis zur Folge hat, wird von vielen Betroffenen (Fahrern) gar nicht in Betracht gezogen.

„Soweit sollte es niemand kommen lassen, Verkehrssicherheit muss für jeden Fahrer höchste Priorität haben“, so Mario Döring in seinem Schlußwort.

>> Vorsicht, Sekundenschlaf – Kampagne des DVR
Quelle: DVR, Bonn

>> Bekämpfung Sekundenschlaf
Quelle: 3G Kompetenzzentrum

>> Fernfahrerstammtisch HESSEN
Quelle: Polizei Hessen

 

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