Sprinter im Focus der Kontrollen

PP Osthessen verstärkt Präsenz am Kirchheimer Dreieck

Kleintransporter im täglichen Einsatz – Foto: Lasiportal

Die Verkehrsdichte am Kirchheimer Dreieck ist zu Stoßzeiten am Limit, Gütertransporter belegen in der Regel schon eine Fahrspur und bewegen sich im Konvoi. Das alles funktioniert dank einer modernen, durch Technik unterstützten Verkehrsführung und durch eine nahezu 24-Stunden-Verkehrsüberwachung der Polizei.

Bei der Oktober-Fernfahrerstammtischveranstaltung im Kirchheimer Rasthaus, direkt vor Ort des Geschehens, wurde eine Besonderheit dieser Verkehrsbelastung zur Sprache gebracht.

Seit geraumer Zeit ist das Transportmittel „Sprinter“ (Lieferwagen, Kastenwagen, Pritschenwagen, Kleintransporter) in den Blickpunkt des Geschehens gerückt. Es handelt sich um kleine Lastkraftwagen, die aufgrund ihrer zulässigen Gesamtmasse bis 3,5 Tonnen mit der Fahrerlaubnis der Klasse B gefahren werden dürfen. Die Nutzlast eines solchen Fahrzeugs liegt zwischen etwa 0,5 und 1,5 Tonnen.

Erfahrene Autobahnpolizisten der Polizeiautobahnstation Bad Hersfeld machten in einem Kurzvortrag deutlich, wo die eigentlichen Probleme liegen, die diese Kleintransporter auf die Straße bringen und damit in hohem Maße die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.

Problemfelder:

  • Sie legen lange Strecken zurück.
  • Fahrer haben einen engen Zeitplan, immer in Eile (KEP).
  • Verlorene Zeit muss aufgeholt werden.
  • Fahrer übernachten im Fahrzeug.
  • Die Fahrzeuge unterliegen keiner Geschwindigkeitsbeschränkung.
  • Die Ladungssicherung liegt im Argen, Gurte fehlen.
  • Die Fahrer sind nicht geschult.
  • Die Fahrzeuge sind oft überladen oder falsch beladen.
  • Die Fahrer werden schlecht bezahlt, teilweise unter Mindestlohn.
  • Sozialvorschriften (Lenk-Ruhezeiten, Kontrollgerät) greifen nicht; lediglich händische Aufzeichnungen auf Formular.
  • Übermüdung, Alkohol und Drogen sind oft im Spiel; Energydrinks sollen die Fahrtüchtigkeit ´hochhalten´.

Eine besondere Erscheinungsform des schnellen und eher unkomplizierten Gütertransportes kommt aus Osteuropa. Die sogenannten „Polensprinter“ bewegen sich in einem nahezu gesetzlosen Raum. Seitdem die Osteuropäer diesen Markt für sich entdeckt haben, ist er gewaltig explodiert. In jüngster Zeit durchgeführte statistische Erhebungen von Verkehrsbewegungen haben ergeben, dass sich täglich bis zu 100 000 „Polensprinter“ auf Deutschlands Straßen / Autobahnen bewegen.

Der Einsatz solcher Fahrzeuge kann von jedermann organisiert und durchgeführt werden, Kabotage-Vorschriften werden oft außen vor gelassen, und für das Fahrpersonal gelten nur die allgemeinen Regelungen. Unter Umgehung der Sozialvorschriften ( Lenk- und Ruhezeiten ) durch jene schnellen Kleintransporter hat die Polizei keinerlei Überwachungsmöglichkeiten; allein die Dokumentation auf Tageskontrollblättern ermöglicht keine nachvollziehbaren Kontrollen.

Überladung, mangelhafte Ladungssicherung und falsche Lastverteilung – Kleintransporter im Straßenverkehr.

Im 2. Teil des Abends zum gleichen Thema berichteten die Polizeibeamten aus ihrer täglichen Arbeit der Verkehrsüberwachung. Aus ihren umfangreichen Erfahrungen bei Schwerlastkontrollen wurde den Stammtischbesuchern deutlich, welche Mängel, Unterlassungen, Verstöße und Fahrfehler in den Kontrollen aufgedeckt werden bzw. zu Verkehrsunfällen führen.

Anhand beeindruckender Bilder von Kontrollen durch die gesamte Palette von Verstößen im Gütertransport machten die Kontrolleure klar, wie fahrlässig, grob fahrlässig und gar vorsätzlich mit der Einhaltung bzw. Nichtbeachtung von Verkehrsvorschriften umgegangen wird.

Marode Fahrzeuge, stark angerostete oder gar gebrochene Rahmen, defekte Bremsscheiben, mangelhafte Ladungssicherung und Überladung sind die häufigsten Verstöße, die die Polizei im Rahmen von Kontrollen feststellt.

Allein das Nichtmitführen (nicht Vorhandensein) von Ladungssicherungsmitteln ist mit 60 Euro Bußgeld bedroht; dem Halter drohen sogar 270 Euro Bußgeld, was oft von den Betroffenen gar nicht bedacht wird.

Die Polizei zu den Hauptunfallursachen:

  • Geschwindigkeit,

Hierbei geht es nicht nur um die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, häufig wird die Geschwindigkeit nicht den tatsächlichen Verhältnissen angepasst; hierzu § 3 StVO (1) Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird.

  • Ablenkung

Handynutzung und Ablenkung durch andere Medien (Fernseher, Laptop, Zeitschriften) führen zu gefährlichsten Situationen oder schwersten Unfällen.

  • Übermüdung

Zu lange Lenkzeiten, nicht ausgeruhte Fahrer gefährden die Verkehrssicherheit, insbesondere der Sekundenschlaf mit einer hohen Dunkelziffer steht in der Verkehrsprävention ganz vorn.

  • Alkohol

Die Einwirkung von Alkohol und Drogen ist nach wie vor bei der Unfallverursachung ein belastender Faktor. Fahrer werden mit hohen Promillewerten im Körper angetroffen und verursachen schwerste Unfälle.

>> Rollende Zeitbomben
Quelle: Osthessennews

>> Polensprinter auf deutschen Straßen
Quelle: Frontal 21

>> Qualifikation von Sprintern im Focus
Quelle: Lasiportal

>> Osteuropäische Kleinlaster
Quelle: Trucker.de, Springer Fachmedien München

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